Re:letter from the editor *

Liebe N.,

Du hast absolut Recht. Nichts ist schlimmer als ein verwaistes Blog. Und wir (Kittynn und ich) können Dir (und Euch) versprechen, dass hier bald auch wieder was passieren wird. Wir machen uns gerade ein paar Gedanken, wie wir dieses Blog anders und ein bisschen attraktiver gestalten können. Neue Features. Ein schöneres (?) Logo. Vielleicht sogar eine puzzelige BuchblogStory, die dann von unseren MitLesern nach und nach ergänzt werden kann, eine Art kleines literarisches Bastelstudio also … …möglicherweise schaffen wir es ja auch mal zu einem grenzüberschreitenden Kinobesuch ( a big hug hello to all our dear austrian (feed)readers, followers, whoever) … muss ja dann nicht unbedingt eine JaneAustenVerfilmung sein …

Du siehst, zumindest die Fehler- und Spurensuche läuft auf Hochtouren. Und ich muss mich natürlich an dieser Stelle wieder entschuldigen: in letzter Zeit war privates Krisenmanagement angesagt. Mein Kopf war mit 1000 anderen Dingen voll. Man hat ja leider nur einen Kopf, aber in meinem Fall mindestens drei Leben…

Deine SommerLeseListe ist recht interessant: einige der genannten Titel liegen ebenfalls auf meinem Stapel ewig vernachlässigter Bücher.

Apropos LeseListe: meine würde ungefähr so aussehen:

  1. Susanne Heinrich „So, jetzt sind wir alle mal glücklich“
  2. Kurt Cobain „Tagebücher“
  3. Svetlana Kutschke „Etwas Kleines gut verstecken“
  4. Michael Chabon „Die unglaublichen Abenteuer von Kavalier & Clay“
  5. Gay Talese „Frank Sinatra ist erkältet. Spektakuläre Storys aus vier Jahrzehnten“
  6. Jonathan Lethem „Du liebst mich, du liebst mich nicht“
  7. Kurt Vonnegut „Der taubenblaue Drache“
  8. Nicola Keegan „Schwimmen“
  9. Gaius Julius Cäsar De bello Gallico / Der gallische Krieg“
  10. Helmut Krausser „Strom“
  11. Roberto Bolaño „Die Naziliteratur in Amerika“

Hast du tatsächlich vor, Kafkas gesammelte („sämtliche“) Werke zu lesen ? Ein mutiges Unterfangen Vorhaben, ja fast schon eine Lebensaufgabe (Kafka kann ich nur in sehr kleinen, wohldosierten Etappen genießen, ein medikamentöser Autor; vielleicht überlegst du´s dir ja auch lieber noch mal).

„Schuld und Sühne“ dagegen lohnt sich immer. Ein zeitloses Werk. Und „About a boy“ kann ich auch uneingeschränkt weiterempfehlen, wobei ich finde, dass „A long way down“ Hornbys bisher bester Roman ist.

Alles wird neu, anders und doch gleich. Deshalb hoffen wir, dass trotz unserer abtrünnigen Verhaltensweise noch ein paar Leser übrig geblieben sind. Wäre auch gut, wenn wir – bevor es hier wieder richtig los geht-, ein feedback von Euch erhalten könnten. Konstruktive Kritik, Ihr dürft auch mit Farbbeuteln nach uns schmeißen. Wichtig ist, dass wir wissen, was wir falsch gemacht haben (und was richtig) und wo noch Bedarf an Neuerungen/ Verbesserungen besteht. Innovative Ideen also … please.

Mit anderen Worten: wir lesen uns hoffentlich bald wieder …

Ansonsten: best wishes and happy reading(s),

ml (Frank)

* natürlich sehe ich mich nicht in der Funktion eines „Herausgebers“. Noch nicht mal als Initiator. Wenn überhaupt, dann als ein in gleicher Weise virtuell Buchgeschädigter Buchsüchtiger. En tout cas: dieses Blog kann natürlich immer nur so gut oder schlecht wie seine Konsumenten sein. Es lebt und überlebt von der Re:aktion der Leser. Deshalb nochmals die Bitte: postest und kommentiert soviel Ihr könnt…

Sommerlektüre

Hier hat sich ja schon länger nichts mehr getan und das sollte doch nicht so sein. Blogleichen sind soetwas trauriges.

So langsam naht der Sommer (mehr oder weniger) und damit auch die Sommer- bzw. Urlaubslektüre. Weil ich, als Studentin, leider unterm Semster oft keine Zeit habe für meine geliebte Belletristik, muss ich alles im Sommer aufholen was ich versäumt habe. Dafür langweilen sich oft meine Mitmenschen, weil ich absolut verschollen bin in einer Buchwelt, aber egal. Also dieses Jahr habe ich noch garnicht so eine große Liste bzw. großen Stapel von Büchern die gelesen werden wollen. Also schon, aber das sind mehr so die üblichen Verdächtigen die ich immer vor mir her schiebe. Meine Liste:

  • Jane bites back von Michael Thomas Ford
  • Die Glasbücher der Traumfresser von Gordon Dahlquist
  • Sämtliche Werke von Franz Kafka (haha)
  • The Death of Bunny Munro von Nick Cave
  • The melancholy death of Oyster Boy & other stories von Tim Burton
  • La mujer habitada von Gioconda Belli
  • House of leaves von Mark Z. Danielewski
  • About a boy von Nick Hornby
  • Monogam von Marek van der Jagt
  • Der Schatten des Windes von Carlos Ruiz Zafón
  • Schuld und Sühne von Fjodor M. Dostojewski

Das sind die, die schon im Regal stehen … mal sehen. Wenn also jemand mitmachen möchte, die Reihenfolge ist mir egal und jede/r ist herzlichst eingeladen.

N.

World Book Day (2)…

Für mich ist eigentlich jeder Tag  ein (Welt)BuchTag. Ich bin süchtig nach geschriebenen Worten. Und werde dementsprechend unruhig und schlechtgelaunt, wenn ich nicht(s) lesen kann. Selbst Plakate mit billigen Slogans dienen mir da als kurzzeitige Befriedigung meiner Sucht. Und es kommt oft vor, dass mir dann so ein blöder Werbespruch den ganzen Tag quer im Kopf hängt. Wie ein lästiger Ohrwurm (wobei Musik  eine genauso gefährliche Droge für mich darstellt) sitzt er dann in einem der vordersten Winkel meines Gehirns und lässt mir keine Ruhe, bis ich einen neuen Satz, ein neues Wort entdecke, das dann seinen Platz einnimmt. Das war aber nicht immer so. Ich habe ziemlich spät das eigene Lesen entdeckt. In gewisser Weise war ich extrem schreib- und lesefaul. Wenn ich laut vorlesen musste, wurde ich jedes Mal  rot und kam ins Stottern.  Bis zu meinem 10. Lebensjahr musste mir meine Großtante vorlesen. Wobei das Vorlesen auf eine einzige Lektüre beschränkt war: ein  paar uralte, vergilbte ZigarettenbilderAlben mit Grimm´s Märchen. Neben der Stimme meiner Großmutter (also auditiv) sind mir auch noch einige der  bunten eingeklebten Bilder in Erinnerung geblieben. Inzwischen gibt es diese Vorlesebücher nicht mehr, meine Großtante tot, und ich aber noch immer begeisterter Leser. Mein Interesse liegt natürlich jetzt ganz woanders. Märchenbücher würde ich nur mögen, wenn meine Tante sie mir vorlesen könnte (irgendwie war sie die beste Hörbuchsprecherin der Welt, auch wenn es so was damals offiziell noch nicht gab) und mit den Grimms kann ich auch nichts mehr anfangen.  Ich mag die dumpfe Moral mancher Märchen nicht, die vordergründige Symbolik (immer sind es 3 Wünsche, goldene Haare;  7 Zwerge oder Raben, whatever …) und die moralischpädagogische  Holzschnittartigkeit vieler Charaktere. LeseEntwicklungstechnisch kamen nach den Märchen übrigens die Comics (Mickey Maus, Asterix, Fix und Foxi), die ich auch ohne die jeweiligen Sprechblasen zu lesen, verstehen konnte. Irgendwann kamen dann die “3 Fragezeichen” dazu. Also richtiges, autonomes Lesen. Wobei ich bis zum 30. Lebensjahr davon ausging, dass Hitchcock nicht nur  “IdeenLieferant” sondern auch Autor aller JustusJonasBobAndrewsundPeterShawBücher war. Wenn ich mir “Vertigo” oder “North by Northwest” ansah, zweifelte ich zwar irgendwie an Hitchcocks literarischem Schaffen, aber egal …
Und heute ? Was lese ich heute ? Mein Leseverhalten ist inzwischen unkontrollierbar, und als echter Süchtiger achte ich manchmal auch nicht auf die Qualität des Textes. Hauptsache überhaupt schwarze Buchstaben in einer einigermaßen geordneten Reihenfolge. Ich gestehe: ich konsumiere, und ab und zu genieße ich. Zur Zeit “on heavy rotation”: Karin Slaughter “Verstummt”, ein Laurence FerlinghettiLyrikBand, ein Kunstbuch über  Bauhaus,  “Eine Frau- ein Buch” (wobei das MännerBuch angeblich informativer und “besser” sein soll), “Schwimmen” von Nicola Keegan und dann natürlich auch noch  “Pride and Prejudice and Zombies” (das VormonatsBuch von D. Eggers hat mich ratlos und wütend zurückgelassen, definitiv nicht meine Art von Literatur, wirr und völlig laaaangweilig; und da ich ab Seite 40 das Buch abgebrochen habe,  kann ich auch keine Kritik abgeben, sondern nur ein kurzes persönliches  Statement: Eggers  sucks, zumindest dieses Buch (ich hab zum Test mal eine seiner “Erzählungen” gelesen: genauso narkotisierend)).
Und Ihr, was lest Ihr heute … und überhaupt ?

(ml)

Weltbuchtag

Heute ist…

Der Welttag des Buches (World Book and Copyright Day) am 23. April ist seit 1995 ein von der UNESCO weltweit eingerichteter Feiertag für das Lesen, für Bücher, für die Kultur des geschriebenen Wortes und auch für die Rechte ihrer Autoren.
(http://de.wikipedia.org/wiki/Welttag_des_Buches_und_des_Urheberrechts)

Hier findet ihr die deutsche Homepage zum Welttag des Buches, mit Programm: http://www.welttag-des-buches.de/de/135793

Und hier findet ihr zur Feier des Tages Links zu einigen Ebooks die heute kostenlos sind: http://www.lesen.net/ebooks/gratis-ebook-am-weltbuchtag-2891/

Stand der Dinge

Hallo liebe Mitleserinnen und Mitleser!
Wie geht es euch denn bei der Lektüre des Aprilbuches? Und wer liest diesmal überhaupt mit? Einmal Durchzählen in den Kommentaren bitte:) Danke!

Stillstand

Anscheinend sind alle sehr in ihre Lektüre vertieft, denn hier tut sich ja anscheinend nicht viel. Nichts da also mit You shall know MY velocity, denn von Geschwindigkeit kann hier (bei mir) nicht die Rede sein. Liest denn schon jemand das April-Buch?

Zu You shall know our velocity kann ich nur sagen, dass die Perspektive vom Erzähler ausgesprochen unbekannt ist. Ich kann mich einfach nicht richtig einlesen. Jedes Mal, wenn ich das Buch wieder zur Seite lege, habe ich erst 5-10 Seiten gelesen. Ich hänge einfach im Senegal fest. Bin schon auf der stolzen 70sten Seite. Wie geht/ging es euch beim Lesen?

Ich hab allerdings schon ganz nette Ideen für Mai …

N.

April Voting

Liegt es am Frühling, an der Frühjahrsmüdigkeit ? Aber anscheinend hab nicht nur ich Probleme bei der Bewältigung unserer MärzLektüre (Eggers).

Wie dem auch sei. Jetzt ist April. Und von daher wieder Zeit für ein neues Buch.

Diesmal stehen folgende Titel zur Wahl:

Wunderschönbunt: Norman Ollestad: Süchtig nach dem Sturm

KittynnJane Austen und Seth Grahame-Smith: Stolz und Vorurteil und Zombies / Pride and Prejudice and Zombies

N: Tim Burton: The Melancholy Death of Oyster Boy: And Other Stories

Midlifelover: Tracey Emin: Strangeland / Strangeland

Bis Dienstag, den 6.04. 2010, 23.59 Uhr, habt Ihr Gelegenheit, Eure Stimmen abzugeben.

nächste Runde …

Es ist wieder mal soweit. Auch wenn einige von Euch mit dem aktuellen MärzBuch (Dave Eggers) noch nicht  fertig sein sollten, wollen wir doch wieder einen unkomplizierten Übergang zu unseren AprilBuch gewährleisten. Deshalb bitten wir Euch, uns in den nächsten Tagen (diesmal etwas verkürzt, bis einschließlich 26.03.10 (23.59 Uhr)) Eure Vorschläge mitzuteilen. Gleich anschließend findet dann das bekannte Voting statt.
Falls jemand von Euch den EggersRoman zu Ende gelesen hat und  kritikwillig ist, kann sie/er  schon posten.

Ach ja, eine kleine Änderung unserer “Geschäftsbedingungen”: zukünftig möchten wir, dass das GewinnerBuch von demjenigen “betreut” wird, der es in die Auswahlliste gebracht hat. Das beinhaltet dann z.B. auch  die Moderation einzelner Kommentare und vielleicht  auch die Wiedergabe des ersten Leseeindrucks .

Wie dem auch sei: Es kann wieder losgehen. Neues Spiel, neues Glück…

(ml)

Shiny!

… ist das Buch, dass ich diese Woche bekommen habe!

Und? Habt ihr eures schon?

Ihr habt gewählt

Und so sieht das Ergebnis aus:

  1. mit 36% „Ihr werdet noch merken, wie schnell wir sind“/ „You Shall Know Our Velocity“ von Dave Eggers
  2. mit 18% „Ein Ufo, dachte sie“ / „UFO in Her Eyes“ von Xiaolu Guo UND „Einfache Gewitter“ von William Boyd
  3. mit 14% “Die Knebel von Mavelon” von Steffi von Wolff UND “Der Sonntagsmann” von Thomas Kanger

Wir hoffen ihr seid alle mit dem Ergebnis zufrieden. Sonst gilt, wie immer: wer nicht mitlesen will, muss natürlich nicht und es gibt immer einen nächsten Monat, eine nächste Wahl und ein anderes Buch:)

Lasst uns wissen, wann ihr das Buch in Händen haltet und was ihr darüber denkt – wir sind gespannt!

tears and anger …

Vor ungefähr einem Monat stellte ich auf diesem Blog die Frage: “Gibt es Bücher, die Euch zum Weinen bringen ? Welche Art von Literatur bewegt Euch, regt Euch zum Nachdenken an ?” Bisher blieb ich euch eine Antwort schuldig.

Natürlich ist es trotz meiner selbst anerzogenen Weiblichkeit nicht so, dass ich bei jedem schwermütigen Satz  in einen endlosen Tränenfluss ausbreche oder mir nächtelang über Gelesenes den Kopf zerbreche.  Dafür bin ich dann  doch zu grobnervig,  ein viel zu visuell abhängiger Mensch. Reine Vorstellungskraft reicht in den seltensten Fällen aus. Ich brauche nun mal  eine übergroße Leinwand und THX KinoSound. Vor kurzem war ich z.B. in Peter Jacksons “In meinem Himmel”. Da musste ich bei sehr vielen Szenen meine Tränen zurückhalten. Und egal, was viele Kritiker Jackson vorwerfen: sein Film sei zu sprunghaft, die Zwischenwelt zu cyberspacig dargestellt, überhaupt: der Film würde sich nur vage an die weitaus bessere literarische Vorlage halten  … mich hat der Film sehr bewegt. Vielleicht kein Meisterwerk, aber dennoch eine herzzerreißende Story. Und dass, obwohl (oder weil) ich weder das Buch gelesen, noch die “Herr der Ringe- Trilogie” angeguckt habe. Ich mag einfach keine Fantasy.

Auch Zeitungsartikel lassen mich  immer wieder fassungslos zurück. Kürzlich ging es mir so mit einer Geschichte, die zum ersten Mal als Reportage in NEON abgedruckt wurde, dann als Buch herauskam und derzeit noch in den Kinos läuft:  “Same Same but different”.  Im selben NEON_Februar Heft ist außerdem ein  Bericht über die mörderisch gnadenlose Hatz auf Albinos in Tansania zu finden, der mich wütend und sehr betroffen gemacht hat.

Zurück zum eigentlichen Thema: BÜCHER, die mich auf irgendeine Weise traurig gestimmt, oder zum Nachdenken angeregt haben. Über Ray Robinsons grandiosen Roman “Lily” hab ich ja schon an anderer Stelle berichtet. Dieses Buch ist nach wie vor eines meiner ganz großen Favoriten. Es ist perfekt im Sinne von makellos und unübertrefflich gut geschrieben.
Und nun  habe ich vor ein paar Tagen ein Buch gelesen, dass Robinsons Werk ebenbürtig ist. Zwar ist es ein völlig anderes Genre, und auch die Geschichte ist natürlich eine andere. Aber von der literarischen Qualität und von der unaufdringlichen, hintersinnigen Ironie durchaus vergleichbar:

“Harry, die Zweite” von Mark Sarvas.

Es geht um Harry Rent,  einen erfolgreichen Radiologen Mitte 40, dessen Frau während einer vor ihm geheim gehaltenen SchönheitsOP an Herzversagen stirbt. Zweifellos, eine sehr skurrile Ausgangssituation,  die mich  ein bisschen an Javier Marías  “Morgen in der Schlacht denk an mich” erinnerte, wo ein Mann nach einer Beischlafnacht seine Geliebte tot neben sich im Bett findet.  Jedenfalls ist dieser Harry Rent  nicht der klassische Witwer. Natürlich trauert er, aber auf seine eigene sehr besondere und atypische Weise. Kurz vor dem Ableben seiner Frau hat er sich nämlich Hals über Kopf in eine 20 Jahre jüngere Kellnerin namens Molly verliebt. Er geht regelmäßig in das Lokal, in dem sie arbeitet und versucht dort jedes Mal durch aberwitzige Aktionen auf sich aufmerksam zu machen. Irgendwie  traut er sich aber nicht, sie direkt anzusprechen. Stattdessen überschüttet er erstmal Mollys Kollegin mit Wohltaten, großzügigen finanziellen Geschenken und gewinnt dadurch schließlich das Interesse und das Herz seiner Angebeteten.

Dabei endet alles, was  Rent in seiner blinden Verliebtheit anstellt, und von dem er glaubt,  es richtig und gut zu machen, in einer mittelschweren Katastrophe.  Am Schluss steht er mental zerrüttet vor uns. Er hat sich ent_larvt,  gehäutet, aber gleichzeitig auch von seinen inneren Dämonen befreien können. In dem Sinn gibt es  zum Glück nur ein positiv angedeutetes “open end”.

Das tatsächlich Faszinierende an dem Roman aber ist, dass man auf den ersten 50 Seiten den Held (so wird er zu Beginn jedes Kapitels mit einem kleinen Satz eingeführt; Kapitel X “in welchem unser Held einen Plan ersinnt“; Kapitel Y “in welchem unser Held verschwindet oder Kapitel Z “in welchem unser Held beginnt, die Einzelteile zusammenzufügen“ usw.) als feigen Idioten wahrnimmt, und ihn spätestens ab Seite 100 nicht nur in seinen Handlungen versteht und  Empathie empfindet, sondern sich  selbst ein Stück weit in ihm wiedererkennt.

“Harry, die Zweite” ist ein Buch, das ich nachdrücklich verpflichtend empfehlen muss. Ein Buch, das mehr als ein Unterhaltungsroman ist. Ein Buch, das die Liebe und das Leben erklärt, ohne jemals  kitschig zu werden. Ein Buch, das uns zeigt, welche Überraschungen tragische Lebensmomente enthalten können. Ein Buch, das einen fordert und herausfordert. Und für mich ein wunderbarere literarische Entdeckung.  A real heartrending story.

(ml)

Sagt uns was ihr wollt!

Es ist endlich so weit, ab heute dürft ihr eure Stimmen für eines der fünf vorgeschlagenen Bücher abgeben. Mitbestimmen könnt ihr bis Samstag, 27. Februar 23:59 Uhr. Am nächsten Tag wird dann hier im Blog das Gewinnerbuch verkündet.

Die vorgeschlagenen Bücher sind:

Wie auch schon beim letzten Mal dürft ihr zwei Stimmen abgeben wenn ihr wollt, wir hoffen dadurch wird die Wahl leichter! Und jetzt lasst uns wissen was ihr lesen wollt:

David Nicholls „Zwei an einem Tag“

Allein der Buchsticker hätte mir eine Warnung sein sollen. Fernsehjournalistin Christiane W. schwärmt: »Das schönste Buch des Jahres! Eine herrliche Liebesgeschichte.« .(Der einzige (TV)-Journalist, dem ich dieses Statement abkaufen würde, wäre Roger Willemsen, aber der würde sich nie zu solch allgemeingültigen Aussagen hinreißen lassen). In Zukunft werde ich weniger auf Kritiken als auf meine innere Stimme hören. Nicht jedes Werk, das hoch gelobt wird, um schließlich als  “eines der  besten Bücher des Jahres XY” gelistet zu werden , verdient es auch. Es ist wie mit dem Nobelpreis. Es bekommen ihn immer die falschen.
Ok, zurück zur eigentlichen Kritik. Der Inhalt ist eigentlich in ein paar Stichworten erzählt: Ein Mann und eine Frau, die eine Nacht miteinander verbringen. Es ist der 15. Juli 1988.Und seitdem zelebrieren sie alle darauffolgenden 15. Julis als erinnerungswürdige Jahrestage. Mal jeder für sich allein, mal gemeinsam. Aber es geht nur um 15. Julis. 2o quälende Jahre lang. Bis beide am Schluss um die 40 sind, und ein tragisches Ereignis sie für immer auseinanderreißt. Anfangs war ich von dieser Prämisse total begeistert. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich eine unbestimmte Schwäche für Wiederholungsgeschichten habe. “Groundhog Day” gehört  zu meinen all-time favorites. Aber das ist ein Film. Keine Ahnung, ob ich die Handlung auch als Buch ertragen hätte.
“Zwei an einem Tag” jedenfalls ist ein über 500 Seiten starker Roman. Die ersten 100 Seiten sind ok. Und lesen sich auch recht flüssig. Ab Seite 200 ließ dann mein Interesse irgendwie nach. Der Roman tritt auf der Stelle. Jeder neue 15. Juli kommt mir wie eine billige Kopie des vorangegangenen vor. Es hat nichts besonderes mehr . Beide sind in unglücklichen Beziehungen verstrickt, heiraten, kriegen Kinder oder auch nicht. Das ist wahrscheinlich dann auch das Hauptproblem: der Autor kann sich nicht entscheiden, er und seine Figuren irren ziellos durch Zeit und Raum. Und irgendwann ist es tatsächlich egal, wie die Story endet (mal  ganz abgesehen vom total überflüssigen 5. Kapitel). Das Interessanteste sind immer noch die Dialoge, ironisch und  teilweise auch scharfzüngig. Der Rest ist wie eine Packung alter Marshmallows. Man isst alle auf, fühlt sich aufgebläht und hat nach ein paar Stunden schon wieder Hunger. Nette Unterhaltung, mehr aber auch nicht. Sorry, notenmäßig  nur eine magere 4 +. (Hm, was wäre das jetzt  in der Schweiz ?)
Ähm, Ihr dürft mich nun übrigens steinigen, enthaupten, vierteilen, was Ihr wollt. Schließlich war ich es ja, der diesen Roman ins Voting gebracht hat.

(ml)

Vorschläge Buch März

Bisher:

Und vergesst nicht, ihr habt nur noch bis Samstag, 20. Februar Zeit euren Vorschlag einzubringen!

Edit: Vorschläge werden noch bis heute (Sonntag, 21. Februar) Abend 23:59 Uhr angenommen!

ready or not …

Wahrscheinlich hat  sich jede/r von Euch mittlerweile eine Meinung über das NichollsBuch bilden können,  es entweder genervt an die Wand geworfen oder am Ende liebevoll umarmt. Ganz egal, wenn Ihr wollt, könnt Ihr ab jetzt hier eure Eindrücke schildern (zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich erst auf  S. 150 bin; ich bin eben der klassische “slowfood-reader“, anderseits habe ich mir vorher noch Nicholls´ Erstling “Keine weiteren Fragen“ zu Gemüte geführt).

Nichtsdestoweniger ist es langsam wieder Zeit,  das nächste Voting zu planen. Es wäre gut, wenn sich jede/r ein paar Gedanken über unser MärzBuch machen würde. Schließlich möchten wir Euch und uns einen nahtlosen Übergang zur nächsten Lektüre bieten. Und deshalb werden wir von heute an bis zum Samstag, den 20.02.10, Eure Vorschläge sammeln.

Ich hab auch schon eine Favoritin, aber ich denke, eine/r  von Euch wird mir hoffentlich diesmal zuvor kommen. Immerhin ist sie der neue ShootingStar am deutschen LeseHimmel … ( auf alle Fälle werde ich mich diesmal für eine Autorin entscheiden …)

Okay, dann sind ab jetzt also alle Leitungen frei geschaltet und Ihr dürft eure Kritiken (or whatever) abgeben …

Edit:

Oft gibt es ja von ein- und demselben Titel mehrere Ausgaben. Paperback, Hardcover, etc.  Natürlich könnt Ihr Euch immer für die für Euch „günstigere“ Variante entscheiden. Und selbstverständlich ist es egal, wo und wie Ihr  euch das (nächste Auswahl)Buch besorgt.  Manchmal hilft auch der Gang zur nächsten Bibliothek …

(ml)

Erster Eindruck?

Inzwischen ist seit dem offiziellen Startschuss für unser Februarbuch eine Woche vergangen und die meisten von euch haben vermutlich schon angefangen es zu lesen. Einige sind sogar schon fertig!

Welchen ersten Eindruck hat Zwei an einem Tag auf euch gemacht? Was habt ihr erwartet als ihr das Cover gesehen, das Foto des Autors betrachtet und die Kurzbeschreibung auf der Rückseite gelesen habt? Haben sich eure Erwartungen bisher bestätigt? Wie gefällt euch Zwei an einem Tag bisher?

Es geht los!

Heute ist endlich der Tag gekommen, an dem wir ganz offiziell anfangen David Nicholls – Zwei an einem Tag zu lesen.

Wie ihr wisst, sollte das ganz entspannt ablaufen. Wenn ihr erst in ein paar Tagen anfangt zu lesen – kein Problem! Ihr habt das Buch noch nicht? Langsam wird es Zeit sich darum zu kümmern. Ihr habt das Buch schon halb durch und könnt es nicht ausstehen? Weg damit! Ihr konntet nicht warten und habt das Buch schon gelesen? Super – aber bitte (noch) keine Spoiler😉

Auf jeden Fall haben wir genügend Zeit, ganze 28 Tage, um dieses Buch zu lesen, darüber zu reden/schreiben/schimpfen – wir freuen uns schon darauf, zu hören was ihr zu sagen habt!

catchy old man (R.I.P.) …

J.D. Salinger has died at 91. Der ewig junge, wunderbare, menschenscheue und vielleicht auch tyrannische Salinger. Ein Weltschriftsteller. Ein fremder, lichtscheuer Literat, der sich konsequent dem medialen Ruhm entzog. Einer Welt, in der es  unerlässlich geworden ist, ständig neue Bilder zu liefern. Abbilder. Abziehbilder. Anschauungsmaterial. Ein panoptisches Daumenkino.

Zugegeben, auch ich kann mich diesem Wahnsinn nicht ganz entziehen. Es ist eine unkontrollierbare Macht, ein schizophrenes Verlangen,  einer bestimmten Geschichte auch ein bestimmtes Gesicht zuordnen zu müssen. Jedenfalls möchte ich immer erfahren, wie jemand aussieht. Und wissen, ob mein Kopfbild mit dem realen “Bild” übereinstimmt.
Auf den meisten Buchcovern befindet sich ein Portrait des Autors/ der Autorin. Wenigstens eine kurze Vita.  Es gehört einfach dazu. Ohne diese  Hinweise fehlt etwas. Aber nur wenige Autoren besitzen den Mut und die Kraft,  sich dem Hype um ihre Person zu entziehen. Keine Interviews. Keine Klatschgeschichten, nichts Privates. Nichts (An)greifbares. Alles, was es mitzuteilen gilt, steht in ihren Büchern. Und  nur dort. Pynchon, um vielleicht einen anderen großen Autoren zu nennen, ist auch jemand, der sich bewusst im Schattenreich aufhält. Es existieren keine Interviews von ihm, und es gibt, wie bei Salinger, nur eine zweifelhafte fotografische Momentaufnahme. In verblasstem schwarz-weiß.

Salingers Hauptwerk “The Catcher in the Rye” habe ich relativ spät entdeckt. Mit 21 oder 22. Mein erstes, freiwillig gelesenes englischsprachiges Buch. In der Schule gab es leider nur legale Ware, z.B. Orwells “1984” (gar nicht so schlecht, aber eben streng zu analysierende Schullektüre), nur nicht das, wonach mein Herz und mein Verstand suchte.

Salinger wurde schnell zu meinem personal dealer. Er ebnete mir den Weg. Öffnete die Büchse der Pandora. Nach ihm kamen so großartige Autoren wie  H. Miller, Burroughs,  Allen Ginsberg, Kerouac. Später auch (the American)  Nabobov, Phillip Roth, Paul Auster,  Gaddis. Unzählige Autoren. Aber Salinger war der Schlüssel zu ihnen. Und wird es immer bleiben. Und deshalb gehört ihm für alle Zeiten ein vorderer Platz in der “Liste der ewig Besten“ . Auch wenn ich seine Erzählungen  (“Franny and Zooey”)  nie gelesen habe. Nie lesen konnte, weil ich for heaven´s sake nicht enttäuscht werden wollte, und Salinger und Holden Caulfield für mich zu einem Synonym für literarische Freiheit und Rebellion geworden sind. Misfit and against all odds. Caulfield  als eine zeitlose Identifikationsfigur, ein Posterboy wider Willen. Jemand, den es lohnen würde, näher kennenzulernen.

Und nun mal ehrlich: wie viele echte Holden Caulfields gibt und gab es unter uns ? Unangepasste, geistig frühreife Typen, die leben, wie wir alle leben sollten. Wir uns aber nicht trauen, aus Angst. Weil wir unendlich viele Hemmungen haben. Und wir uns deshalb immer wieder nach (literarischen) Ersatzfiguren sehnen, die in unserem Namen handeln können.

Gäbe es nur ein paar (mehr ?) Caulfield-Gestalten,  wäre es bestimmt eine bessere Welt. Eine Welt, in der anarchisches Mitgefühl, Wildheit und Verständnis für “Außenseiter” dann fast schon alltäglich wären.

Vor ein paar Tagen stellte ich hier ja die Frage, welche Art von Büchern einen traurig machen würde. Meine Antwort steht noch aus. Oder auch nicht. Denn wenn ich jetzt an Salinger denke, stimmt es mich melancholisch und ich muss meine Tränen zurückhalten, weil ich weiß, dass es nie so sein wird, dass diese “Catcher in the Rye”Lebenseinstellung nie global, sondern immer nur sehr vereinzelt auftreten wird.

Ein paar Sterne, die umso heller leuchten, wenn wir nur wagen, fest an sie zu glauben. Dort oben. In dunklen, kalten, einsamen Nächten…

(ml)

(com)poser …

Vor ein paar Tagen lief auf 3sat im Rahmen des “Im Fokus: Japan”-Projekts ein Interview mit dem japanischen Musiker Ryuichi Sakamoto. Das Interessante am dem Gespräch war nicht nur die künstlerische Bandbreite (u. a. hat er neben seiner eigenen Musik auch mit David Bowie und Bernardo Bertolucci zusammen gearbeitet), sondern auch die intelligenten Antworten des Komponisten. Gleich am Anfang wollte der Interviewer von Sakamoto wissen, welche Musik ihn zum Weinen bringen würde. Er hatte darauf keine eindeutige Antwort und meinte, dass es unter anderem auch seine eigene Musik sei, die ihn traurig machen würde.
Diese eine Frage sticht aus dem Meer der sonst wohlwollenden und harmlosen Fragen eines Gero von Boehm heraus, und deshalb möchte ich sie auch heute -in etwas veränderter Form-, an Euch weitergeben: “Gibt es Bücher, die Euch zum Weinen bringen ? Welche Art von Literatur bewegt Euch, regt Euch zum Nachdenken an ?” (Demnächst natürlich auch von mir ein entsprechender Beitrag auf diesem Blog.)

Wie wäre es überhaupt, wenn wir jeden Monat, parallel zu unserem jeweiligen AuswahlBuch, eine “Umfrage” starten würden ? Beantwortung natürlich freiwillig. Würdet Ihr das gut finden ?

(ml)

Amazon PartnerNet

Gerade eben habe wir unseren Blog zum Amazon Partnernet Programm angemeldet. Das bedeutet, wenn ihr Bücher über Links auf dieser Seite bestellt, klingelt bei uns die Kasse (wenn auch eher leise…). Wenn ich es richtig verstanden habe, bekommen wir sogar ein wenig, wenn ihr Produkte kauft, die nicht direkt bei uns verlinkt sind. Also wann immer ihr bei Amazon einkauft, wäre es toll, wenn ihr das über diese Seite hier machen würdet!

Natürlich machen wir das nicht aus purer Habgier und wahrscheinlich wird es auch eine Weile dauern, bis wir Geld sehen, denn ausbezahlt wird erst ab 50€.

Was wir mit dem Geld machen, wenn es dann soweit ist, ist klar: Wir kaufen davon Bücher, die wir hier verlosen wollen! Ich hoffe euch gefällt die Idee sogut wie uns und ihr helft fleissig mit, dass wir sie so schnell wie möglich in die Tat umsetzen können. Dafür möchten wir euch schon im Voraus herzlich danken!

Und jetzt: Auf die Plätze, fertig, einkaufen!:)

_________________________________

Edit: Leider scheint WordPress die von Amazon angebotenen Widgets nicht zu mögen. Deshalb haben wir jetzt händisch alle Links in den bisherigen Posts geändert. Ausserdem findet ihr in der Seitenleiste rechts Links zu einigen der bisher erwähnten Bücher.
Wir werden versuchen auch in Zukunft diese Liste mit Links immer aktuell zu halten – also wann immer ihr hier im Blog über Bücher sprecht, sie empfehlt, werden wir möglichst zeitnah einen entsprechenden Link in diese kleine Linksammlung einfügen.

And the winner is…

David Nicholls – Zwei an einem Tag!!!

Ich danke allen, die fleissig mitgestimmt haben. Hier nochmal die Ergebnisse im Detail:

  • 2 Stimmen: Rocko Schamoni – Sternstunden der Bedeutungslosigkeit
  • 2 Stimmen: Paolo Giordano – Die Einsamkeit der Primzahlen
  • 5 Stimmen: David Nicholls – Zwei an einem Tag
  • 3 Stimmen: Nick Cave – The Death of Bunny Munro/Der Tod des Bunny Munro

Es wäre toll, wenn sich alle die mitlesen möchten, das Buch so schnell wie möglich besorgen würden. Ideal ist es, wenn wir gemeinsam direkt am 1. Februar loslegen können. Eingeladen ist selbstverständlich jeder der mitlesen möchte, nicht nur die, die sich bisher offiziell als Mitleser geoutet haben😉

Besorgen könnt ihr euch das Buch über den Buchhändler eures Vertrauens oder aber zum Beispiel auch bei Amazon.

Danke natürlich auch an Midlifelover, der dieses Buch vorgeschlagen hat.

Wahl Buch Februar

Von heute bis 19. Januar 23:59 Uhr habt ihr Zeit, hier eure Stimmen für die vier vorgeschlagenen Bücher abzugeben.

Damit die Wahl leichter wird, dürft ihr zwei Stimmen vergeben und müsst euch nicht für nur eines der Bücher entscheiden. Gelesen wird aber trotzdem nur ein Buch. Sollte es kein eindeutiges Ergebnis geben, wird es eine Stichwahl geben.

RE: Mädchen, 14, sucht …

Liebe N.,

ein Kommentar zu deinem post wäre eventuell zu lang, außerdem kann ich da keine richtigen links setzen. Und der Knoten in meinem Taschentuch muss auch wieder etwas fester gezogen werden. Deshalb also hier und jetzt eine Art öffentliche Antwort.

Leseunwilligen (und pubertierenden) Kindern Bücher schenken zu wollen -egal ob “Abmachung” oder “freiwillig”-, ist von vornherein ja ein Parcours mit unzähligen Hindernissen. Bei Nacht und Nebel ein 1000 qm² großes Sumpfgebiet trocknen zu legen, ist da echt weitaus erfolgversprechender.

Meine Tochter zum Beispiel. Sie ist 13 und ernährt sich sehr einseitig von Vampirliteratur. Vor einem halben Jahr waren es noch Harry Potter und die TintenweltTrilogie. Inzwischen muss es unbedingt was mit Biss sein, aber möglichst ohne größeres Blutvergießen. Sterile, antiseptische Unterhaltungsliteratur mit leichtem Gruseleffekt, thrillige Romantik eben. Stephenie Meyer und die üblichen Verdächtigen. Ab und zu starte ich trotzdem einen väterlichen Versuch, und bringe ihr Abwegiges und Anstößiges mit. Eine große Lostrommel, aus der ich dann nur Nieten ziehe. Immer knapp daneben. Patrick Süßkinds “Parfum” z. B. fand sie ganz “nett”, mehr aber nicht. Und wenn, dann hätte sie es mir gegenüber nicht zugeben wollen.
Irgendwie ist es ja auch uncool, das zu lesen, was der “männliche Erzeuger” (so nennt sie mich seit kurzem) gut findet.

Als ich sie fragte, welche Bücher sie denn einer 14- jährigen schenken würde (einem Mädchen, das Lesen eigentlich gar nicht mag), war das schon eine gewisse Herausforderung für sie. Ausgeschlossen waren nämlich Funke, Meyer und logischerweise auch J. K. Rowling.
Ihr Kopf geriet in eine bedenkliche Schieflage, eine ganze Weile sagte sie gar nichts mehr (was wirklich sehr außergewöhnlich ist), hypnotisierte ihr Bücherregal. Irgendwann aber erwachte sie aus dieser Trance und gab ihren Tipp ab:

Eigentor (Uli Schubert)
(In der Grundschule hat der Autor mal ihre Klasse besucht und aus diesem Buch vorgelesen. Seitdem ist er trotz Vampirismus eine ihrer wohl lebenslänglichen Favoriten)

Die Chaos Queen (Janet Evanovich)

Meridian (Amber Kizer)
( “Schon etwas eklig, mir wurde davon aber trotzdem nicht schlecht” O-Ton)

Die Flirtagentur- Liebe verboten (Henriette Wich)

Ich hab mir auch ein paar Gedanken gemacht. Meine Vorschläge weichen natürlich von denen meiner Tochter ab. Aber es sind alles Bücher, die ich selbst schon gelesen habe. Manche hoffentlich sogar ein bisschen pädagogisch inkorrekt…

Die Mitte der Welt (Andreas Steinhöfel)

Das Leben ist kurz, iss den Nachtisch zuerst (Wendy Mass)

Eine wie Alaska (John Green)

Superhero (Anthoy McCarten)

Der Junge im gestreiften Pyjama (John Boyne)

Zickzackkind (David Grossman)

Die Erde, mein Hintern und andere dicke runde Sachen (Carolyn Mackler)

Scherbenpark (Alina Bronsky)

Lieber Leo- dein Stargirl (Jerry Spinelli)

Vielleicht ist ja wider Erwarten etwas dabei, was in die engere Auswahl genommen werden könnte …

Alles Liebe,
Frank (ml)

Erinnerung: Buchvorschläge Februar

Bis morgen, 15. Januar 23:00 Uhr, habt ihr noch Zeit hier eure Vorschläge für die nächste Lektüre einzubringen. Die Abstimmung läuft dann von 16. Januar bis 19. Januar.

books to read (Leseliste Jan./Feb. 2010) …

Da ich ja hier vor kurzem das Versprechen abgegeben habe, mindestens ein Mal in der Woche was zu posten, ist es an der Zeit dieses Versprechen einzulösen. Alle Beiträge, die sich in irgendeiner Form mit Literatur beschäftigen, waren ja bisher auf meinem “normalen” Blog zu finden. Das wird sich nun ändern. Denn dieses Buchblog soll ja auch entsprechend gefüllt werden.

Ich weiß nicht, inwieweit es als angeberisch oder egomanisch ausgelegt werden könnte, auf dieser Seite so etwas wie eine persönliche Leseliste zu veröffentlichen, aber ich tu´s jetzt trotzdem mal.
Es ist  eine etwas strukturlose und willkürliche Listung der Bücher, die ich in den nächsten zwei(einhalb) Monaten lesen möchte. Selbst wenn ich nur ein Drittel davon schaffe, wäre das noch ein ziemlicher Erfolg. Denn vermutlich werde ich wieder in einer der tausend Spalten meines zerklüfteten und weit verzweigten Raum-Zeit-Kontinuums gefangen sein und  nach einem Ausgang aus diesem Dilemma suchen …

1. Andrew Davidson “The Gargoyle”
(weil der Roman teilweise in Nürnberg, also der Stadt, in der ich lebe, spielt)

2. Wolf Haas „Der Brenner und der liebe Gott“
(weil ich fast alle Brenner-Krimis gelesen habe, und ich atypische Plots liebe)

3. Susanna Moore “Big Girls”
(weil das ein vielversprechender Titel für ein Buch ist)

4.Lars Mytting “Fyksens Tankstelle”
(weil dies mein erster “norwegischer” Roman ist, und ich schon immer was für Benzingeruch und Tankstellen übrig hatte)

5. Salvador Plascencia “Menschen aus Papier”
(weil der Autor hier zwischen zwei Menschenarten unterscheidet: die aus Fleisch und Blut, und die aus Papier)

6. Nicole Krauss “Kommt ein Mann ins Zimmer”
(weil ich Krauss` anderes Buch “The History of Love” für einen sehr guten Roman halte)

7.Rich Cohen “Sweet and Low”
(weil dieser Roman von dem Auf- und Abstieg einer fiktiven amerikanischen SüßstoffDynastie handelt)

8. Roberto Bolano “Der unerträgliche Gaucho”
(weil ich mich erst später an “2666” heranwagen möchte)

9.Jonathan Lethem “Die Festung der Einsamkeit”
(weil ich selbst oft einsam und gefangen bin)

10.Xiaolu Guo “Stadt der Steine”
( weil ich vor kurzem Guos “ Kleines Wörterbuch für Liebende” gelesen habe; eine unglaublich faszinierende Story über das Fremdsein und die Liebe, und auch über die Liebe zwischen ewig Fremden)

(ml)

She´s electric …

(Der Erinnerungsknoten meines Taschentuchs hat sich etwas gelockert …)

Jeder kennt eine Lily. Sie lebt mitten unter uns. Sie begegnet uns in der U-Bahn, die Füße provozierend auf einem der Sitze hochgelegt. Störrisch suchende Augen. Kaugummi kauend und mit einem abgrundtief traurigen Verpiss_dich_ja_bloss_Grinsen. Wenn sie wollte könnte sie dich mit ihren Blicken töten, ein falsches Wort, und sie würde dir an die Kehle springen oder dich niederschreien. Jeder von euch kennt Lily und sie kennt euch. Eigentlich hat sie wahnsinnige Angst vor euch, und versteckt es unter einer tonnenschweren Maske aus explosiver Gleichgültigkeit.

Lily leidet unter epileptischen Anfällen. Sie kommen immer unangekündigt. Es kann praktisch überall passieren. Auf der Straße, in der U-Bahn, im Café. Tag und Nacht. Und wie immer ist die Gefahr, dass ihr niemand hilft. Jeder so schnell wie möglich weitergeht. Diese unkontrollierbaren Anfälle sind zwar nicht so dramatisch, lebensbedrohlich wird es erst dann, wenn es an einem Ort geschieht, an dem sie sich ernsthaft verletzten könnte (scharfkantige Gegenstände, Glas oder spitze Sachen, die am Boden liegen)…

Noch bedeutender jedoch ist, dass sie sich durch ihre Krankheit ausgegrenzt fühlt, sich auch selbst ausgrenzt, nicht dazugehört und auch gar nicht dazu gehören will. Die Epilepsie hat sie zu einer einsamen, (selbst)zerstörerischen Person gemacht. Auch wenn sie immer wieder zwischenmenschlichen Kontakt aufnimmt. Wie ein Alien, der zufällig auf dem Planeten Erde ausgesetzt wurde und unermüdlich verschlüsselte Signale aussendet.

Eigentlich ist sie vom Küstenort Blackpool nach London gekommen, um ihren Bruder zu finden. Eine aussichtslose Suche. Weder kennt sie seine Adresse noch weiß sie, ob er überhaupt noch lebt. Sie irrt durch die Metropole und trifft immer wieder auf die verschiedensten Menschen. Rachel z. B., eine junge Pennerin, die sie in ihr Hotelzimmer mitnimmt, weil sie so was wie Mitleid mit ihr empfindet und hofft, durch sie etwas über den Aufenthaltsort ihres Bruders zu erfahren. Stattdessen wird sie von ihr beklaut. Und das Schlimmste: Rachel hat neben ihren Klamotten und ein paar eher unwichtigen Dingen auch ihre Pillen mitgehen lassen. Ob sie will oder nicht, Lily muss nun einen Arzt aufsuchen. Ein Arzt, der sie wie eine Idiotin behandelt, ihr andere Medikamente verschreibt und ihr rät, sich operieren zu lassen. 70 Prozent “Heilungschance”, blabla …
Die Pillen, die fremde Stadt, ihr vermisster Bruder, neue Menschen, die oft sie und ihre Krankheit nicht verstehen (wollen)… und die gärende Vergangenheit, die sie mit sich herumschleppt …alles das macht sie noch mehr zum Außenseiter.

Lily begegnet Mel, einer fast gleichaltrigen Frau. Sie zieht bei ihr ein. Obwohl es anfangs große Spannungen zwischen den beiden gibt, ist Mel am Schluss doch ihre beste Freundin. Vielleicht deshalb, weil Mel auch so was wie ein Outlaw ist. Sie fühlt sich zu Frauen hingezogen. Ihre letzte lesbische Beziehung lief sehr dramatisch ab, sie hängt immer noch an ihrer Verflossenen, findet aber auch Lily ziemlich attraktiv, die aber wiederum hält sie auf Distanz.

Irgendwann verliebt sich Lily in Dave. Erst ist es eine zwanglose FickBekanntschaft … dann wird Zuneigung , und schließlich Liebe daraus. Hochemotional dramatisch. Das Problem jedoch ist, dass Dave nicht der ist, der er vorgibt zu sein …

Aber ich will hier nicht zu viel verraten.

Tatsache ist, dass “Lily” eines der besten JEMALS gelesenen Bücher ist. Normalerweise bin ich sehr zurückhaltend mit meiner Begeisterung. Ich hab einfach schon zu viel Schrott gelesen. Und in letzter Zeit nehm ich mir auch die Freiheit, ein schlechtes Buch nach 30 Seiten zu beenden. Früher ein echtes Kapitalverbrechen.

Hm, was macht gerade dieses Buch so außergewöhnlich, was ist so anders ? Erstmal ist es die Sprache. Dialoge, die tief unter die Gürtellinie zielen (übrigens kongenial übersetzt von Gregor Hens) Und dann ist es natürlich Lily, ihr wildes Innenleben. Die Schilderung ihres Krankheitsbildes, ihr Anderssein. Punkig, rebellisch, ehrlich, mutlos und doch stark.
Das Erstaunlichste, und für mich immer noch Unerklärbare ist aber, dass dieser Roman von einem MANN geschrieben wurde. Ray Robinson hat eindeutig weibliche Gene. Kann gar nicht anders sein. Er beschreibt so anschaulich, mit unverwechselbar weiblicher Stimme, und so dicht und nah an Lilys seelischen Zuständen, dass ich mich immer wieder selbst vergewissern musste: doch, da steht tatsächlich ein männlicher Autorenname auf dem Cover. Unglaublich, was dieser Autor da geschaffen hat. Hier stimmt einfach alles. Robinson sieht auch noch verdammt gut aus (von seinem IQ ganz zu schweigen). Und laut eigenen Aussagen hat er in der Woche 70 Stunden an dem Buch gearbeitet, 15 Monate lang…

Im Original hießt das Buch übrigens “Electricity”. Ein Titel, der genau die Grundstimmung dieses Werkes widerspiegelt. Elektrisch, elektrisierend …wie ein Stromschlag , mitten durch unser kaputtes Herz …


“Wenn ich mir vorstelle, wie so ein Anfall aussieht, dann sehe ich mich selbst dabei von hinten. Ich werde steif wie eine Schaufensterpuppe, kreische wie ein angestochenes Tier, dann haut es mich um. Alles in Zeitlupe. Ich bin total außer mir, und wenn ich dann auf dem Boden lande, geht das Gezappel los. Arme und Beine zucken und verkanten sich. Mein Körper wird rumgerissen- das Blut gefriert mir in den Adern. Es ist wie im Film, es gibt einen Schnitt von einer Szene zur nächsten, aber das ist kein Problem, dein Hirn kriegt das zusammen. Aber das hier ist mein Leben, und da fehlt dann etwas. So ist es nicht gedacht., dass diese Ausschnitte fehlen. Mein Leben ist total abgehackt, weil mein verdammtes Hirn immer ein- und wieder ausgeschaltet wird. Als ich klein war, dachte ich immer, ich wäre unsichtbar in diesen Momenten. Wie der Zauberer Houdini.”


(zitiert aus Ray Robinson : Lily, 1. Aufl. 2008, marebuchverlag, Hamburg)

Auswahl Buch Februar

Hier ist alles noch ein wenig langsam und unorganisiert, deshalb werde ich jetzt versuchen ein wenig Ordnung hinzubringen!

Ich würde mich freuen, wenn jeder der möchte, bis 15. Jänner hier einen Vorschlag einbringen könnte. Wie Midlifelover bereits erwähnt hat, ist es einfacher, wenn jeder nicht mehr als ein Buch vorschlägt, da mit steigender Anzahl von Vorschlägen die Auswahl immer schwieriger wird😉

Von 16. Jänner bis 19. Jänner wird es hier dann eine Möglichkeit geben, für die verschiedenen Bücher Stimmen abzugeben und ich hoffe, dass am 20. Jänner ein klarer Favorit feststehen wird. Das sollte allen, die Lust haben mitzulesen, genügend Zeit geben, bis Anfang Februar das jeweilige Buch zu kaufen, auszuborgen, zu besorgen, aus dem Keller zu holen, ….

Für die Zukunft habe ich mir überlegt, dass es sinnvoll wäre, wenn wir uns schon in der ersten Monatshälfte für ein Buch entscheiden könnten (noch während das vorige gelesen wird), damit es dann einfach und stressfrei bis Anfang des nächsten Monats besorgt werden kann.

Bisher gibt es vier Vorschläge bezüglich des Buches für den Monat Februar:

Die Einsamkeit der Primzahlen wurde auch schon von Holly vorgeschlagen, die das Buch allerdings schon kennt. Ganz allgemein finde ich es sinnvoller, Bücher vorzuschlagen, die man selbst noch nicht gelesen hat. Natürlich kann und soll hier auch ganz allgemein über Bücher diskutiert werden und wir freuen uns immer über Empfehlungen! Bei den offiziellen Vorschlägen, ist es wahrscheinlich trotzdem besser, wenn wir Bücher nennen, die wir noch nicht gelesen haben. Es wird sich auch so sicher nicht verhindern lassen, dass hin und wieder ein Buch ausgewählt wird, dass einer von uns schon kennt😉

Und wie immer gilt: Eure Meinung, eure Ideen und Vorschläge sind willkommen – nicht nur im Bezug auf Bücher!

Trial and Error

Nein, aufgeben gilt nicht. Auch wenn es so aussehen mag, als sei unser BuchBlogExperiment gescheitert. Und wenn schon nicht gescheitert, dann doch wenigstens stagniert, in eine gefährliche Sackgasse geraten.
Auf den ersten Blick könntet ihr natürlich genau diesen Eindruck gewinnen. Und auch bei mir herrscht Ernüchterung und das Eingeständnis vor, irgendetwas falsch gemacht zu haben. Statistisch gesehen existiert dieses Blog nicht und auch die Einträge sind nicht gerade zahlreich. Man könnte 1000 Gründe finden (wer sucht, der findet ja grundsätzlich immer etwas), warum es bisher nicht richtig funktioniert hat. Ursachenforschung hat mich aber schon immer gelangweilt. Nein, ich werde versuchen, der derzeitigen virtuellen Lethargie etwas Produktives entgegen zu setzen. Nennt es “Trotz” oder Überlebenswillen. I call it “Ehrgeiz“. Ich möchte einfach nicht, dass dieses interessante Projekt ein vorschnelles Ende findet.

Ich bin bereit, alle Fehler, die gemacht wurden, auf mich zu nehmen. Vielleicht war ich etwas blauäugig, mein Enthusiasmus etwas zu überschwänglich. Tatsächlich war ich der festen Überzeugung, wenn erstmal ein Anfang gemacht wäre, würde sich das Projekt “BookClub” verselbstständigen. Ja, ich dachte, es würde so etwas wie eine Eigendynamik entstehen.
Wahrscheinlich liegt der größte Fehler darin, das Ganze nicht so ernst genommen zu haben. Nicht genug Initiative ergriffen zu haben. Und auch nicht bedacht, dass ein Blog Zeit braucht. Zeit um zu wachsen. Zeit, um eine tragfähige Basis zu entwickeln. Schließlich seid ihr als Mitglieder alle irgendwo verschieden, in eurem Leseverhalten, in der Wahl eurer bevorzugten Lektüre, in eurer Leseerfahrung. Und das alles spielt dann sicher eine Rolle. Nicht nur beim nächsten Voting, sondern auch bei der Berücksichtigung der unterschiedlichen Genres. Immerhin hat unser Club derzeit nur ein einziges männliches Mitglied. Deshalb auch gleich die vielleicht auf den ersten Blick etwas provokative (Fang)Frage an euch:

Lesen Frauen anders als Männer ? Haben sie einen anderen “Geschmack” ? Einen anderen literarischen Fokus ?

In dem Zusammenhang dann auch mein nächster Lesevorschlag : Eric Garcia “Cassandra Frenchs Männerverbesserungsanstalt”. Vielleicht werde ich ja durch die Lektüre geläutert, oder noch etwas verweiblichter …

Ok, es muss und wird also weitergehen. Neues Voting, und auch sonst ein paar Änderungen. In Zukunft werde ich outsourcen. Alles, was an literarischen Beiträgen auf meinem “Hauptblog” landete, wird ab jetzt im “justanotherbookclub”_Blog erscheinen. Bücher, die ich (oder vielleicht auch ihr) gelesen habe (habt) , Autorenzitate und Kritiken zu Literaturverfilmungen.

Außerdem haben Kittynn und ich uns darauf geeinigt, dass ein ausgewähltes Buch in 4 Wochen gelesen und besprochen werden sollte. Wir finden, dass dies ein angemessener Zeitraum ist. Schließlich muss sich ja jede/r von euch erstmal das jeweilige Buch besorgen und dann auch lesen. Und dann gibt es natürlich noch unglaublich viele andere persönliche Interessen und Aufgaben, die jede/r von euch nachgehen muss (möchte).

Und um gleich einen Vorsatz für dieses Jahr zu fassen (was ich sonst nicht tue): Mindestens einmal in der Woche werde ich ab jetzt hier posten. Und mache mir deshalb auch sofort einen dicken Knoten in mein imaginäres Taschentuch und falls ich mein “Versprechen” mal nicht einhalten sollte: crucify me! Ja, sprecht mich darauf an. Ein Blog kann schließlich immer nur so gut wie seine einzelnen Blogger/innen sein…

Ach ja, an dieser Stelle natürlich noch ein “Happy New Year“ 2010 …

Also , haucht bitte unserem Club etwas Leben ein …wir möchten eure (Haddon)Kritiken … eure nächsten Buchvorschläge … mailt, twittert, bloggt, whatever … nur lasst uns bitte nicht im Stich!

HaddonKritik (midlifelover)

Ein ziemliches Unterfangen, eine Kritik über ein Buch schreiben zu wollen, das man vor über einem Monat gelesen hat. Das Gedächtnis ist (zumindest bei mir) nicht nur ein Sieb, sondern eine Senkgrube, die alles mit sich in die Tiefe reißt, was nicht als unbedingt “lebenserhaltend” angesehen wird. Und anscheinend hat so ein Buch wie “Supergute Tage” von Mark Haddon dieses Kriterium erfüllt. Denn ich erinnere mich an fast gar nichts mehr. Da war ein Hund, ein ermordeter Hund, ganz am Anfang. Und am Ende kommt dann noch ein Hund (diesmal ein lebendiger) vor. Dazwischen ein gewaltbereiter Vater, eine angeblich tote Mutter, etwas Mathematik, und ein paar merkwürdigen Situationen, die manchmal peinlich und für den Leser (zumindest am Anfang ) nicht ganz so nachvollziehbar sind. Das liegt aber an der Krankheit des Protagonisten. Christopher ist 14 (oder 15 ?!) und leidet am Asperger-Syndrom, einer “abgeschwächten” Form des Autismus. Ein sehr eingeschränkter Blickwinkel, das Gehirn und vor allem die Gedanken sind das, was diesen Menschen das Leben zur Hölle macht. Sie sind gefangen in ihrem Kopf, können sich ihrer Umwelt nur schwer mitteilen und werden -trotz außergewöhnlicher Einzelleistungen- als behindert eingestuft. Denn alles was sie machen und denken, geschieht zwanghaft. Auch Christopher hat eine ganz besondere Begabung: die Mathematik, oder das Spielen mit Zahlen. Mühelos schafft er dann am Ende des Buches sogar das MatheAbi, obwohl er die “Sonderschule” besucht. Ein kleiner Triumph, in einer sonst hermetisch abgeriegelten eigenen Welt. Und ein noch größerer Erfolg ist wahrscheinlich (ohne zu viel verraten zu wollen) ein Trip nach London.
Hm, soweit zum Inhalt. Ob mir das Buch gefallen hat ? Keine so einfach zu beantwortende Frage. Sagen wir es mal so: es war *easy reading*, trotz des schweren Themas. Ansonsten habe ich aber keine bleibende Erinnerung. Oft ist es bei mir so, dass zumindest ein kleiner Duft zurückbleibt. Das ist mein Hauptkriterium. Ich beurteile Bücher eher nach literarisch meist unbestimmbaren olfaktorischen Gesichtspunkten. Ein Buch kann einen (oft wochen- und monatelangen) angenehmen Duft verbreiten, oder es verströmt unangenehme Gerüche. Das Buch von Haddon war in dieser Hinsicht fast geruchlos. Neutral und ohne bleibende Spuren. Oder in Zahlen ausgedrückt, von 1 “sehr gut” bis 10 “unterirdisch schlecht”, eine glatte 5.
Ganz anders bei dem Buch, das ich direkt nach Haddon gelesen habe. Einen süßen, immer noch frischen Kirschblütenduft hinterlassend: “Xiaolu Guo, Kleines Wörterbuch für Liebende“. Auf den ersten Seiten ist man etwas irritiert. Die deutsche Übersetzung ist etwas sperrig, weil sie den mangelhaften Wortschatz einer chinesischen Sprachschülerin in England wiedergeben will. Man hat sich aber schnell daran gewöhnt, spätestens ab Seite 30 hat man diese “Defizite” vergessen. Ganz im Gegenteil, irgendwann macht genau das den Charme des Buches aus. Diese unbeholfene, “lost in translation” -hafte Sprachverwirrung führt dann auch zu fatalen Missverständnissen, nicht nur in sprachlicher sondern besonders in kultureller Hinsicht. Die Schülerin verliebt sich nämlich unsterblich in einen Engländer. Dieser aber wiederum zeigt sich -zumindest am Schluss- sehr gelangweilt und desinteressiert an den immer verzweifelter werdenden Annäherungsversuchen seiner Geliebten.
Aber mehr will ich an dieser Stelle auch nicht preis geben. Ihr solltet das Buch, wahrscheinlich dann auch eher im englischen Original, (aber unbedingt) lesen. War Haddon “easy reading” ist Guo schlicht und ergreifend mehr als “worth reading”. Einfach überwältigend. Man taucht in unbekannte, poetische (Sprach)Welten ein. Die erste Hälfte liest sich sehr amüsant, dann wird´s eher tragisch-komisch. Für mich war es eine sehr neue Art Literatur. Ich hatte das Buch innerhalb eines Tages durchgelesen und war danach selbst zu einem kleinen Chinesen geworden. Far, far away …


Archiv

Kalender

August 2016
M D M D F S S
« Jun    
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
293031  

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 53 Followern an